In unserer Kultur macht sich ohnehin ständig jeder Aufzeichnungen über alles mögliche, und es wird als wesentlich wichtiger angesehen, zu notieren, was geschieht, als ein Ereignis zum Zeitpunkt seines Geschehens zu erleben

Alan Watts in Das Tao der Philosophie

Diese interessante Beobachtung macht der amerikanische Religionsphilosoph Alan Watts in seinem Buch Das Tao der Philosophie. Als eines der wichtigsten Dokumente unseres heutigen Lebens darf zweifelsohne der Lebenslauf angesehen werden. Und ist der Lebenslauf nicht ein hervorragendes Beispiel für Watts Gedanken um den Wahn des Notierens? Wie viele Menschen dokumentieren in ihrem CV nicht einfach ihren beruflichen Werdegang, sie leben geradezu dafür, dass ihr Lebenslauf „gut aussieht“. Sie kündigen eine enttäuschende Arbeitsstelle nicht etwa sofort, sondern quälen sich in ihrem Job so lange, bis eine Kündigung nicht mehr „auffällig“ wird in ihrem Lebenslauf. Was soll man davon halten? Mit Watts ausgedrückt: „Diese Entwicklung frißt uns auf, weil es wichtiger geworden ist, die Buchhaltung in Ordnung zu halten, als das eigentliche Geschäft gut zu führen.“

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